Esso-Häuser St. Pauli

Wohnen und Gewerbe /// Hamburg /// BGF ca. 28.000 m² /// 2015

Die Bebauung des Esso-Häuser-Areals im Hamburger Stadtteil St. Pauli (heute Paloma-Viertel) war lange Gesprächsthema in der Hansestadt. Der Abriss der 1960er-Jahre-Plattenbauten hatte für viel Diskussionsstoff, eine umfassende Bürgerbeteiligung und schließlich zu dem daraus resultierenden St. Pauli-Code geführt: Die Geschichte des Kiezes galt es städtebaulich und architektonisch fortzuschreiben.

In einer ersten Phase wurde 2015 ein international besetztes, städtebauliches Gutachterverfahren ausgelobt. Ziel war dabei, die gewünschte Kleinteilig keit, Vielfältigkeit und Buntheit des Viertels mit einer sehr hohen Bebauungsdichte zu verbinden. Der mit dem zweiten Preis ausgezeichnete Entwurf von coido sieht die Unterteilung der 6.100 qm große Fläche in schachbrettartige Parzellen vor, die mit unterschiedlicher Gebäudetypologie und in der Höhe gestaffelten „Türmen“ überbaut werden. Im Erdgeschoss bedient dabei eine kleinteilige, öffentliche Struktur die Bedürfnisse der Kiezbesucher, während die Privatheit in den Obergeschossen und in der Tiefe des Blocks zunimmt. In einer zweiten Phase des Verfahrens sollten auf Basis des Siegerentwurfs von NL architects (Amsterdam) und BeL (Köln) einzelne Gebäude ausgestaltet werden. Dieser Entwurf sah unter anderem eine intensive Nutzung der Dachflächen und einen öffentlichen Promenadenbalkon am Spielbudenplatz vor.

Entlang der Reeperbahn erstreckt sich ein durch unterschiedliche Geschossigkeit gegliederter Riegel, in dem ein einseitig zur Straße hin orientiertes Hotel mit rückseitigen Wohnungen angeordnet ist („back-to-back“). Im Blockinneren stehen zwei versetzte Wohntürme mit 11 und 12 Geschossen, die den Hof in unterschiedliche Zonen gliedern. Der gewerblich nutzbare, verbindende Sockel des Blocks bietet zur Reeperbahn neben der Hotelnutzung weitere touristische und öffentliche Angebote. An der Kastanienstraße deckt ein 24-Stunden-Shop mit vorgelagertem, kleinen Quartiersplatz als Nachfolger der legendären Esso-Tankstelle die Nahversorgung ab.

Die Vielfältigkeit der Gebäude spiegelt sich im Freiraum. So entstehen im Innern differenzierte, ruhige Grünräume („Secret Gardens“) ebenso wie verschiedene Aufenthalts- und Spielbereiche für die Bewohner und variabel nutzbare Dachterrassen. An der Reeperbahn erstreckt sich im ersten Obergeschoss mit dem Stadtbalkon ein unverwechselbarer, öffentlich zugänglicher Außenbereich: Wer hier flaniert oder feiert, hat einen weiten Blick auf das bunte Treiben auf dem Spielbudenplatz.

Wettbewerb (Städtebau, 2015) 2. Preis

Wettbewerb (Hochbau, 2016) 2. und 3. Preis

Mitarbeiter: Katharina Cordsen, Patric Unruh, Till Hoffmann